Ausflug Thurauen Flaach

18. September 2016


Bauch und Hirn gefüllt

Das kann gleich zu Berichtsbeginn als Fazit der Thurauen-Veranstaltung festgehalten werden. Eine Veranstaltung die – wie immer – vom Kultiteam (Heidi und Besi) Mustergültig organisiert wurde.  Für das etwas miese Wetter mit Dauernieselregen sind sie ja nicht verantwortlich. Sie organisieren immer gute Anlässe, die aber zum Leidwesen des Kassiers ab und zu einen das Budget ausreizenden Charakter haben.

Zur Bauchfüllung

Diese war auf bzw. ab 10.00 Uhr im natürlich rolligängigen Rest. Rübis & Stübis angesetzt. Dieses ist integriert im Gebäudekomplex Naturzentrum Thurauen, der am 20. August 2011 eröffnet wurde. Der etwas steile Zugang dazu ist von den Parkplätzen aus für Rollifahrende etwas schweisstreibend und für die Meisten nur mit Fussgänger-Zusatzantrieb ohne Verschnaufpause erreichbar. Dafür läuft es zurück – mit vollem Bauch als Zusatzgewicht – umso besser!

Ja richtig, es fehlt noch die Ware für die Bauchfüllung. Sie lag in Form eines Brunches auf dem reichlich gedeckten Buffet zum Abholen bereit. Detailerwähnungen schenke ich mir. Wie erwähnt, es war eine grosse Auswahl. Allenfalls sind Details auf der folgenden Fotoauswahl erkennbar. Auf jeden Fall musste von den 22 Teilnehmenden niemand hungrig vom Tisch. Einzelne haben es allenfalls geschafft, die 32 Franken voll auszureizen oder sogar zu „überfressen“  und zu „übersaufen“. Sorry für die etwas wüste Wörterwahl aber sie erscheinen mir treffend!

Zur Hirnfüllung

Während die Bauchfüllung nur eine – allenfalls drückende aber so bis am Abend nur temporäre Erscheinung war – ist zu hoffen, dass die „Hirnfüllung“ eine etwas längere Lebensdauer hat. Damit ich keine bösen Rückmeldungen erhalte sei hier gleich festgehalten, dass – im Gegensatz zum Bauch – niemand „Hirnlos“ mit leerem Kopf gekommen ist!! In ihm steckt ja bekanntlich das erwähnte Organ. Die Hirnfüllung ist als Organ-Wissenserweiterung zu verstehen. Dafür gab es auf der sehr interessanten, rund zweistündigen Führung durch die Thurauen reichlich Gelegenheit. Alles ist super mit Stegen ausgebaut und gut rolligängig. Die Gruppenführerin und der Gruppenführer (siehe Fotoauswahl) haben die beiden Gruppen sehr Fachkundig, viele Fragen beantwortend und mit originellen Einlagen durch die Auenlandschaft geführt. Weil ich das Vergnügen hatte der Frauen-Führungsgruppe anzugehören kann ich natürlich nur über diese berichten. Die Andere hat aber wohl das Gleiche erlebt.

Wir wissen nun, dass diese Thurauen die grösste Auenlandschaft im Schweizer Mittelland ist und eine Vielzahl von seltenen Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Auch der Eisvogel ist – neben allenfalls anderen Vögel – auf der Fotoauswahl gut zu erkennen.

Die Partnerwahl

Wir wissen nun auch wie die verschiedenen Spechtarten ihre Nahrung in den abgestorbenen Bäumen finden. Die Borken- und anderen Käfer sind ja unter der Rinde und im Holz, also nicht gerade auf dem Präsentierteller. Damit die Vögel – mit dem wohl gut geschützten Hirn – nicht Plan- und Erfolglos Löcher in den Baum hämmern, klopfen sie vorher höflich aber bestimmt an und hören ob sich da drin etwas bewegt und fressbar ist. Wie’s funktioniert musste die Gruppe mit einer temporären Partnerwahl gleich selber ausprobieren. Natürlich nicht mit Löcher picken in die Baumstämme, wir haben ja  schon vorher gegessen. In den von der Führerin abgegebenen und verschlossenen Filmrollendosen hatte es  jeweils zwei mit gleichem Inhalte. Die Partnersuche erfolgte durch schütteln dieser Dosen. Gleiche Geräusche gleich zusammengehörende Partner, die ausfindig gemacht werden mussten. Ergebnis: Originelle Paarbildungen!

Die Kleinstlebewesen

Bei einer weiteren Arbeitsstation galt es Kleinstlebewesen zu erkennen, die mit Wasser aus Tümpel in Behälter gefüllt wurden. Kaum zu glauben was sich in dieser Auenlandschaft für Lebewesen entwickelt haben und welche Formen sie haben. Einige sind kaum als Lebewesen wahr zu nehmen.  Dokumentiert waren sie auch noch mit Bilder.

Das Blindekuhspiel

Interessant war auch dieser Posten. Nicht weil die Nachbarin abgetastet werden konnte, dass konnte nur mit den von der Führerin abgegebenen Gegenständen gemacht werden, die dann „Blind“ weitergegeben werden mussten. So zu erkennen waren z.B. Lianen, Blätter, Eicheln und Plastic-Frosch. Ergebnis: Zufriedenstellende Trefferquote.

Die Auenlandschaft

Was ist sie und wie ist sie entstanden? Darüber wurden wir an Hand von Bildern schon zu Führungsbeginn orientiert. Ursprünglich hat sich die Thur auf ihrem Weg in den Rhein immer wieder einen neuen Flusslauf gesucht, die Landschaft verändert und so der Landwirtschaft wertvollen Boden „weggefressen“. Kluge Köpfe kamen dann auf die Idee, den Fluss zu begradigen und zwischen Dämmen fliessen zu lassen. Das brachte der Landwirtschaft Flächen zurück hatte aber den Nachteil, dass das Wasser aus dem Fluss-Einzugsgebiet das ja bis ins Toggenburg, Appenzeller- und St. Gallerland reicht, schnell in den Rhein kam und da viel Geschiebe ablagerte, das immer wieder ausgebaggert werden musste. Zudem blieb das schnell ansteigende Hochwasser hinter den Dämmen liegen. Wieder kluge Köpfe sind seit 2008 nun daran, die Klugheit der Ersten in einer der landesweit grössten Renaturierungen zu korrigieren. Dem Fluss wird wieder mehr Raum und Land als Überschwemmungsgebiet gegeben. Im Raum Flaach kann die Thur auf den letzten 5 Km vor der Mündung in den Rhein, wieder so fliessen wie sie will. Durch Überschwemmungen und Grundwassertümpel ist diese Auenlandschaft entstanden.  Klar, das ist jetzt eine laienhafte Schilderung aber die Aussage trifft in etwa den Nagel auf den Kopf. Am besten ist natürlich der eigene Besuch des Naturzentrums Thurauen und noch besser mit einer Fachfrauischen / Fachmännischen Führung und im Sommer wenn die verschiedenen Pflanzen blühen.

Die verschiedenen Lebewesen

Leider haben wir, wie schon erwähnt, den Eisvogel nicht in Natura gesehen. Der Ringelnatter war es zu kalt, Specht und Co haben sich wohl irgendwo unter Dach oder in ihren Baumhöhlen vor dem Nieselregen geschützt, die verschieden Froscharten waren unter Laub versteckt und nur als Einzelexemplar im Tümpel erkennbar. Aber mit dem Biber hatten wir Glück. Zugegeben, nicht in freier Wildbahn, nicht bei der Arbeit aber im Museum und in seiner bequemen Biberburg in gemütlicher Sitz-Erholungsstellung. Das ist aber nur für das geübte Auge auf der Fotoauswahl zu erkennen! Das Gleiche gilt für den Orang-Utan. Warum der, der lebt doch (noch) nicht in dieser Auenlandschaft. In unserer Gruppe hat sich teilweise eine gewisse Ernüchterung breit gemacht, weil er nicht gesehen wurde. Aber wie der Zufall es so will, ist er ansatzmässig auf einem Foto zu erkennen. Im Vordergrund ist darauf ein durch die Jahrtausende der Evolution angeblich hochentwickeltes menschliches Wesen zu erkennen, dem die entfernte Verwandtschaft nur noch bedingt anzumerken ist. Auf den Affen sind wir gekommen, weil die Führerin erwähnt hat, dass die Stiftung PanEco in Berg am Irchel – die ja für den Aufbau und die Führung des Naturschutzzentrums zuständig ist – auch ein Orang-Utan Schutzprojekt in Sumatra unterstützt.

Ich hoffe, die besagte Hirnfüllung konnte etwas vom Gelernten weiter geben und hat nicht für Verwirrung gesorgt. Die Diskussionen, Klarstellungen, Korrekturen usw. können erfolgen. Die Homepage bietet ja die Möglichkeit dafür, sie ist nicht nur eine Bildergalerie. Also macht davon Gebrauch!

Übrigens, die Bauchfüllung ist zwischenzeitlich, am Veranstaltungstag um Mitternacht, gänzlich verschwunden oder wenigstens verdaut.

Zum Schluss noch eine Anmerkung:

Besi hat die Absicht geäussert, seinen Job  abzugeben; was natürlich ein grosser Vorstandsverlust wäre!! Ich habe aber gehört, dass, wenn er an Stelle seiner an Arbeitsüberlastung leidenden Sekretärin eine „Ersatzsekretärin“ hätte, er sich das mit dem Rücktritt noch einmal überdenken würde. Also Interessentinnen meldet euch. Anforderungsprofil: Heidi Surbeck fragen. Ende der Durchsage.

Arthur Waldvogel