Jahresausflug 2019 nach Bern ins Bundeshaus

19. Oktober 2019

Wohl der bisher interessanteste und spezielle Jahresausflug stand dieses Jahr auf dem Programm. Interessant, weil das Bundeshaus in Bern Ziel und Thema des Ausfluges war und speziell, weil der langjährige Schaffhauser Ständerat, Hannes Germann, extra für uns nach Bern kam und uns exklusiv, informativ  und mit diversen Anekdoten gespickt,  durch das Bundeshaus führte. Am Sonntag, 20. Oktober wurde er übrigens mit einem Spitzenresultat von über 17000 Stimmen für eine weitere Amtsperiode (die Fünfte) wieder zum Ständerat gewählt.

Die Anreise

Früh aufstehen war – wie meistens bei unseren Jahresausflügen – wieder der 1. Tages-Ordnungspunkt. Treffpunkt 07.15 Uhr Eulachhalle Winterthur und dann ohne Verzug mit dem SPV-Car ab nach Bern. Leider war das Wetter sehr schlecht. Dauerregen bis nach Bern, Wolken bis fast auf den Boden, Aussicht gleich Null. Das einzige erfreuliche an der Fahrt waren wohl die Gipfeli und der Kaffee sowie die staufreie Fahrt (Annahme, weil der Schreibende mit Gästen selber nach Bern fuhr).

Mit gut halbstündigem Programmvorsprung war aussteigen (ausladen) vor dem Bundeshaus und die sofortige Abdeckung mit Schirmen und diversen Regenschützen ein Muss. Zum Glück war Hannes auch viel früher da, so dass wir uns sofort Richtung Bundeshaus-Eingang bewegen konnten. Schnell rein ins Trockene war die Devise. Da hatten aber die schwer bewaffneten und furchteinflössenden Bundes-Sicherheitsbediensteten etwas dagegen. Schön anstehen in Einerkolonne und keine Fotos vom Personal war die klare Ansage. So musste ein Grossteil der Reisegruppe noch länger im Regen stehen. Die Eingangskontrollen waren sehr schleppend und lange dauernd bis alle durch waren. Alles wurde sehr genau genommen, so dass das eine oder andere Sackmesser den Bundeshausaufenthalt unter Aufsicht des Sicherheitspersonals verbringen musste. Einzig die Rollifahrenden kamen zügig durch die Kontrolle.

Die Kuppelhalle

Sehr beeindruckend ist die grosse Kuppelhalle wo wir uns auf dem mittleren Treppenabsatz zum Gruppenbild formierten. Dieses hat – weil im Bundeshaus nur die Personen vom Sicherheitsdienst schiessen dürfen – eine Angehörige desselben geschossen. Aber auch Ständerat Germann hat sich als Fotograf, Rollstuhlschieber und Wegesucher für den schweren Rollstuhl von Katharina Burri zur Verfügung gestellt. In der Mitte der langen Treppe und später vom 1. Stock haben wir von Hannes viel über die Symbolhafte Kuppelhalle erfahren. Mächtig steht da die tonnenschwere Skulptur mit den drei Eidgenossen, Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchtal, hinter uns. Sie sind durch die vier lebensgrossen und mit den damaligen Kriegsgeräten ausgerüsteten Landsknechten wohl besser bewacht als seinerzeit beim Rütlischwur. Dazu kommen noch die links und rechts am Treppenanfang platzierten und grimmig dreinschauenden Braunbären, die ja das Wappentier von Bern sind. Ein Geschenk der Stadt Bern, nachdem sie 1848 zur Bundeshauptstadt ernannt worden ist. Ebenfalls beeindruckend ist das runde Kuppelgewölbe mit der Glasmalerei und allen Kantonswappen um das zentrale Schweizer Kreuz. Aber halt, wo ist das Jurawappen? Dieser Kanton ist zu jung und hatte keinen Platz auf der grossen Scheibe. Es hat deshalb etwas weiter unten, in einer Rundung, seinen Platz gefunden. Zum zentralen Glasfenster kommen vier seitliche Lunettenfenster, die Alltagszehnen aus dem Arbeitsleben zeigen. Überhaupt sind im ganzen Bundeshaus eine Vielzahl von Statuen, Skulpturen  und Bilder vorhanden, die auf die geschichtliche Entwicklung der Schweiz Bezug nehmen.

Das Bundeshaus

Hoch über dessen Zugang an der Nordfassade steht in Grossbuchstaben:

CURIA CONFOEDERATIONIS HELVETICAE  Das ganze imposante und beeindruckende Bundeshaus, so wie es sich heute präsentiert, ist natürlich nicht auf einmal gebaut worden. Baubeginn des heutigen Bundeshauses West war 1852 und wurde 1857 vollendet. Ergänzt wurde es 1884 – 1892 mit dem Bau des Ostflügels. Dieser schaffte Platz, damit der bisher ausserhalb tagende Ständerat seine Sessionen auch im Bundeshaus durchführen konnte. Von 1889 – 1902 ist dann noch der Mittelteil mit der Kuppelhalle gebaut worden. Verbaut wurden neben Kalksandsteinen viel Marmor und Granit, was auf dem Rundgang gut zu sehen war. Bei den letzten grossen Sanierungsarbeiten wurde das Haus durch den Einbau von entsprechenden Liften und Rampen, auch rollstuhlgängig gemacht, so dass auch wir Rollifahrenden Zugang zu den „wichtigen“ Räumen haben.

Der Ständeratssaal

Hier tagen die 46 Kantonsvertreter. Unabhängig von der Einwohnerzahl hat jeder Kanton 2 Vertreter und die Halbkantone je einen im Rat. Dank dem speziellen Treppenlift können auch die Rollifahrenden vom Ständerats-Arbeitszimmer in den –Saal gelangen. Hannes erklärte uns seine Sitzplatz-Zuweisungen im Laufe der Jahre, wie die Laufbahn vom Stimmenzähler bis hinauf zum Ratspräsident ist (er war es im Jahr 2013/14), wie sich die Gesprächs- und Zuhörerkultur von derjenigen des Nationalrates unterscheidet und beantwortete diverse Fragen. Speziell im Ständerat ist auch ein gewisser Dresscode. Die Kleider der Standesvertreter/innen müssen daher der Bedeutung des Rates entsprechend gewählt werden. So sei es auch schon vorgekommen, dass etwas freizügig gekleidete Frauen aus dem Saal gewiesen wurden (in Erinnerung sei ihm eine Journalistin). Im Ratssaal sind auch – im Gegensatz zum Nationalrat – Handys, Laptop, das Zeitungslesen usw. Tabu. Vor Jahren wurde auch das Rauchen im Saal verboten, was auch für den Nationalrat gelte. Als Ständerat sollte man möglichst mehrsprachig sein, denn es gebe keine Simultanübersetzung wie im Nationalrat. Was wohl die wenigsten wussten, beide Kammern sind mit an den Wänden montierten Kameras ausgerüstet, die die Debatten aufnehmen und Live über die Parlamentshomepage übertragen. Der über dem runden Tisch montierte Kronleuchter wiege 1.5 Tonnen, habe 208 Glühbirnen und war damals ein Geschenk des Kantons Luzern. Das imposante Wandbild stellt Szenen der Nidwaldner Landsgemeinde im 18. Jahrhundert dar, aber mit dem Hintergrund der Obwaldner Gemeinde Sarnen.

Der Nationalratssaal

Bevor es in den Nationalratssaal ging, konnten wir durch die Wandelhalle wandeln. Sie hat eine wunderschöne Deckenstruktur mit diversen Bildern. In der sogenannten Grossen Kammer tagt der 200-köpfige Nationalrat. Diese 200 Sitze verteilen sich auf die Kantone gemäss ihrer Einwohnerzahl. Jeder Kanton hat aber Anspruch auf mindestens einen Sitz. Der Nationalratssaal ist auch Treffpunkt der vereinigten Bundesversammlung, bestehend aus National- und Ständerat. Diese wählt z.B. den Bundesrat. Sehr beeindruckend ist auch das grosse Wandbild. Es zeigt die Landschaft um den Urnersee auf dessen Rütliwiese die 3 Eidgenossen mit dem Rütlischwur die alte Eidgenossenschaft begründet haben sollen.

Das besondere Restaurant

Nach der rund zweistündigen Führung stand der letzte Höhepunkt im Bundeshausbesuch bevor. Apéro  und Mittagessen in der Galerie des Alpes, dessen Personal exklusive für uns am Samstag geöffnet hat. Besten Dank dafür! Das Menue war sehr gut zusammengestellt und ein Genuss. Es konnte in dieser speziellen Lokalität, die nur in Begleitung von Parlamentsmitglieder zugänglich ist, genossen werden. Auch das sogenannte aber geschlossene Brienzer-Zimmer wurde für uns noch geöffnet. So konnten auch die diversen Holzschnitzereien besichtigt werden. Holzschnitzereien die in der Schnitzerschule  Brienz für die Weltausstellung 1900 in Paris hergestellt wurden.

Gegen 14.30 Uhr mussten wir – unter der Verantwortung von Besi – weil Hannes schon vorher gehen musste, das Lokal und das Bundeshaus verlassen. Bis zur Abfahrt um 17.00 Uhr stand noch einige Zeit zur freien Verfügung. Wohl müde aber dafür mit vielen Staatskunden-Daten und unvergesslichen Bildern vom Bundeshaus im Kopf, konnte die Rückfahrt in Angriff genommen werden.

Abschliessend möchte ich Hannes Germann für sein grosses Engagement und die informative, interessante Bundeshausführung sowie für die Übernahme der Apérokosten recht herzlich danken. Dieser besondere Jahresausflug wird wohl vielen noch lange in Erinnerung bleiben!

Arthur Waldvogel